Krankenhausstudie 2017 17.07.2017, 08:17 Uhr

Kliniken wollen digitaler werden


Die wirtschaftliche Lage der deutschen Kliniken hat sich im vergangenen Jahr erneut zugespitzt: Trotz steigender Umsätze konnten über 40 Prozent von ihnen keinen Überschuss erwirtschaften. Deshalb investieren fast 60 Prozent der Krankenhäuser zu wenig in moderne Infrastrukturen.
Besonders deutlich wird dieses Defizit bei der Digitalisierung: Zwar sagen knapp 90 Prozent der Kliniken, dass sie bereits eine Digitalstrategie entwickelt haben, allerdings fehlt es ihnen an finanziellen Mitteln, um diese auch umzusetzen und die notwendigen IT-Kapazitäten aufzubauen. Das ist ein Ergebnis der Krankenhausstudie 2017, für die die Experten von Roland Berger Vorstände und Geschäftsführer der 500 größten deutschen Krankenhäuser befragt haben.

»Fehlen Krankenhäusern die notwendigen Investitionsmittel für eine digitale Verbesserung der Prozesse, so werden viele Maßnahmen, die zur Kostensenkung führen, nicht implementiert. Dazu gehören etwa neue digitale Medizinkonzepte und ein effizienterer Umgang mit Patientenakten«, erläutert Oliver Rong, Partner von Roland Berger und Leiter der Healthcare Practice in Deutschland, Österreich und der Schweiz. »Außerdem leidet die IT-Sicherheit darunter, wenn IT-Systeme durch Hackerangriffe gefährdet werden. Denn schließlich geht es hier um den Schutz sensibler Patientendaten und im Extremfall um den Erhalt des Gesamtbetriebs einer Klinik.«

Zwar haben 90 Prozent der Einrichtungen inzwischen eine eigene Digitalstrategie, die dabei helfen soll, viele Prozesse schneller, effizienter und kostengünstiger zu gestalten. So konnte rund ein Drittel der Befragten dank digitaler Maßnahmen die Krankenhausergebnisse verbessern. »Das zeigt, dass die Krankenhäuser im Digitalbereich heute zielgerichteter investieren«, erläutert Oliver Rong. »Sie nutzen ihre Erfahrungen aus den vergangenen Jahren, um genau in die Maßnahmen zu investieren, die die besten Ergebnisse mit sich bringen.«

Doch mangelnde IT-Infrastrukturen und Fachpersonal führen nicht selten zu Sicherheitslücken. So gaben zwei Drittel der Befragten zu, Opfer von Cyber-Angriffen gewesen zu sein.

Zu einer breiteren Strategie gehört auch die Möglichkeit, Kooperationen mit Startups im Digital Health-Bereich zu initiieren, um neue Lösungen für eine bessere Patientenversorgung zu entwickeln. Eine Chance, die aktuell nur ein Viertel der Kliniken nutzen.




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