Stress am Arbeitsplatz 16.06.2019, 19:10 Uhr

Mentales Wohlbefinden in deutschen Unternehmen

Laut einer Umfrage von YouGov im Auftrag von LinkedIn, spüren vier von fünf deutschen Arbeitnehmern (82 Prozent) die Folgen von Stress am Arbeitsplatz.
Die häufigsten Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz.

(Quelle: www.linkedin.com)
Die häufigsten Auswirkungen sind Anspannung (57 Prozent), Unruhe (44 Prozent) und Schlafstörungen (40 Prozent). Obwohl sich diese Faktoren aus dem Arbeitsumfeld signifikant auf die psychische Gesundheit der Mitarbeiter auswirken können, berichten viele der Befragten einen Mangel an Präventionsmaßnahmen: 40 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Arbeitgeber keinerlei Präventionsmaßnahmen bieten. Oftmals wird das Thema sogar tabuisiert. Die Umfrage offenbart überdies ein strukturelles Problem: Frauen sind häufiger von negativen Auswirkungen der Arbeit betroffen als Männer.
Werden deutsche Unternehmen ihrer Verantwortung für das mentale Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter gerecht? 42 Prozent der Arbeitnehmer beklagen ein Desinteresse der Führungsebene. Entsprechend gering ist die Zahl an konkreten Präventionsmaßnahmen: Nur 21 Prozent der Arbeitnehmer gaben an, dass ihr Arbeitgeber Angebote zur Stressbewältigung bieten, weniger als ein Fünftel (18 Prozent) haben einen festen Ansprechpartner für Diskriminierung oder Mobbing und lediglich 11 Prozent der Unternehmen verfügen über einen festgeschriebenen Verhaltenskodex.
Ein möglicher Grund für diese bedenkliche Situation: Die Auswirkungen von Stress und andere psychische Probleme sind im Land von Fleiß und Pünktlichkeit weiterhin ein Tabuthema. Nur 34 Prozent der Befragten können mit Kollegen offen über ihr mentales Wohlbefinden sprechen – mit dem Arbeitgeber können das sogar nur ein Viertel (25 Prozent). Vielmehr steht die Angst im Raum, dass ein offener Umgang mit dem Thema negative Folgen haben könnte. 17 Prozent geben an, dass Kollegen benachteiligt wurden, weil sie offen über psychische Krankheiten gesprochen haben.
»Stress alleine macht nicht krank sondern kann sogar beflügelnd wirken. Entscheidend ist aber, dass sich Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln und mittelfristig im Gleichgewicht stehen«, erklärt Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. »Wenn man die Fähigkeit zur Regeneration verliert, man sich beispielsweise nicht einmal mehr im Urlaub erholen kann, ohne an die Arbeit zu denken, dann ist das ein großes Warnsignal.  Zunehmend sind Unternehmen heute für die Burnout-Problematik sensibilisiert und haben ein Interesse daran, dass ihre Leistungsträger wieder gesund werden bzw. gesund bleiben - deshalb ist es so wichtig, darüber zu reden. Zeitdruck, Arbeitsklima, dauernde Verfügbarkeit aber auch eigene, überhöhte Ansprüche müssen auf den Prüfstand.«



Das könnte Sie auch interessieren