Studie zu Meinungsrobotern 10.03.2019, 17:42 Uhr

Social Bots als Zünglein an der Waage

Ein interdisziplinäres Team der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat in einem virtuellen Experiment den Einfluss von Social Bots in Sozialen Medien untersucht. Demnach reichen wenige Bots, um in einem Netzwerk die Stimmung zu lenken.

Wenige Bots reichen, um in einem sozialen Netzwerkdie Stimmung zu lenken.
(Quelle: mbold )
ocial Bots sind Computerprogramme, die in Sozialen Medien wie echte Nutzer agieren und automatisiert Botschaften verbreiten. Es heißt, mit Bots ließen sich Themen künstlich pushen und Debatten verfälschen; auch könnten sie politische Wirkung entfalten. Das wird etwa bei der anstehenden Europawahl befürchtet. »Wie stark Bots Nutzer beeinflussen können, war bislang nicht nachzuweisen, weil die wissenschaftlichen Methoden fehlten«, erklärt Informatiker und Projektleiter Björn Ross.
»Wir haben daher ein Netzwerk mit tausend virtuellen Akteuren simuliert und angenommen, dass die Meinungen zu einem Thema 50:50, positiv und negativ, sind. In der Hälfte der Fälle gewinnt eine Seite die Oberhand – ohne dass Bots im Spiel sind«, sagt Ross. »Aus der Forschung zur so genannten Schweigespirale wissen wir,« sagt Co-Autor Dr. German Neubaum »dass Menschen sich weniger trauen, ihre Meinung zu vertreten, wenn sie sich damit in der Minderheit wähnen. Deswegen haben wir untersucht, wie Bots eine solche Spirale auslösen können.«
Was das UDE-Team herausfand: Bereits eine geringe Anzahl von zwei bis vier Prozent Bots reichen, dass Nutzer in einer kontroversen Diskussion lieber still sind. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent auf zwei Drittel, dass sich die von den Robotern unterstützte Meinung durchsetzt. Ein falscher Eindruck zur Stimmungslage entsteht.
Noch sind Social Bots nicht so vollkommen, dass sie sich nicht erkennen lassen, sagen die Forscher. Doch wahrscheinlich werden  sie nach und nach optimiert – auch für wenig wünschenswerte Zwecke wie Täuschungen. Und dann wären Software-Roboter tatsächlich eine Gefahr für die Demokratie.


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