Neue Techniken für Meetings 16.05.2017, 11:31 Uhr

Digitale Whiteboards

Interaktive Whiteboards ermöglichen in Business-Meetings weltweite Collaboration.
(Quelle: Foto: Shutterstock / Peshkova)
Whiteboards gehören zum festen Inventar vieler Konferenzräume und sind aus Business-Meetings kaum mehr wegzudenken. Auf ihnen werden mit dem Filzstift etwa aktuelle Marktzahlen oder Brainstorming-Ideen mehr oder weniger leserlich notiert. Das klassische Whiteboard hat jedoch zwei gravierende Nachteile: Wenn ein Meeting-Teilnehmer die Notizen nach der Besprechung haben möchte, dann muss er diese abschreiben oder abfotografieren. Und wenn an dem Meeting Kollegen aus anderen Niederlassungen per Videokonferenz teilnehmen, dann können die entfernt sitzenden Kollegen die Whiteboard-Notizen auch schon während des Meetings oft genug kaum entziffern.
Abhilfe schaffen sogenannte digitale Whiteboards. Dabei handelt es sich quasi um Riesen-Tablets, die die Teilnehmer von Business-Meetings umfassend vernetzen. Die Geräte, die man an die Wand hängt oder auf einem Ständer montiert, vereinen etwa Funktionen wie eine Videokonferenzlösung und ein Präsentations-Tool. Auf digitalen Whiteboards lassen sich Notizen wie auf einem gewöhnlichen Whiteboard festhalten. Den Meeting-Teilnehmern bleibt es aber erspart, die Ergebnisse nach der Sitzung für sich festzuhalten. Sie liegen digital vor, sodass jeder bequem darauf zugreifen kann – je nach Whiteboard lässt sich sogar gemeinsam mit den Besprechungsteilnehmern an den Notizen arbeiten. Auch entfernte Teilnehmer greifen direkt auf die Informationen auf dem digitalen Whiteboard zu.
web & mobile DEVELOPER stellt im Folgenden die derzeit interessantesten digitalen Whiteboards vor.

Microsoft Surface Hub

Microsofts digitales Whiteboard Surface Hub soll ein Multi­talent für Business-Meetings sein. Der Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit. Microsoft startet mit dem Gerät aber auch einen Angriff auf die Hersteller von Konferenzlösungen. So ist in dem digitalen Whiteboard mit mehreren Kameras, Mikrofonen und Lautsprechern eine komplette Videokonferenzlösung verbaut (Bild 1). Das mit Windows 10 arbeitende Surface Hub basiert auf einem 55-Zoll-Bildschirm mit Full-HD-Auflösung oder einem Riesen-Bildschirm mit 84 Zoll Diagonale mit 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel). Im Inneren arbeitet ein Rechner mit Intels i7-Prozessor, 8 GByte Arbeitsspeicher und einer SSD mit 128 GByte. Für die Grafikdarstellung sorgt im kleinen Modell Intels HD-4600-Grafik, im großen Surface Hub ein Nvidia Quadro K2200.
Microsoft Surface Hub: Das Riesen-Tablet mit bis zu 84 Zoll Diagonale unterstützt die natürliche Freihandeingabe (Bild 1)
Quelle: Foto: Microsoft
Eine natürliche Freihandeingabe-Funktion soll eine flüssige Eingabe ermöglichen – ähnlich wie mit einem Stift auf Papier. Dazu unterstützt das Display 100 Multitouch-Punkte. Die Eingaben erfolgen entweder per Finger oder mit den mitgelieferten Surface-Hub-Stiften. Dabei unterstützt das Gerät bis zu drei Eingabestifte gleichzeitig. Für Texte lässt sich eine virtuelle Tastatur oder die beiliegende Funktastatur nutzen.
Auf dem Gerät läuft eine angepasste Version von Windows 10. Vorinstalliert sind die Office-Apps Word, Powerpoint und Excel sowie die Big-Data-App Microsoft Power BI und der Browser Edge. Mit der Videokonferenzlösung Skype for Business lassen sich bis zu 250 Personen über Telefon oder eine Internetverbindung zuschalten. Zwei HD-Weitwinkelkameras mit 1080p-Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunde sorgen bei Videokonferenzen für den Blickkontakt.
Die Funktion TouchBack ermöglicht die Steuerung per Funk oder Kabel angeschlossener Notebooks, Smartphones oder Tablets über den Touchscreen des Surface Hub. Die  Funktion InkBack projiziert die Freihandeingaben auch auf angeschlossene Geräte. Wenn zum Beispiel ein Meeting-Teilnehmer in einem Textdokument einen Abschnitt einkreist, dann erscheint die Markierung auch direkt auf einem mit dem Whiteboard verbundenen Tablet.
Das Surface Hub unterstützt alle Apps für die Universal Windows Platform (UWP). So lassen sich bei Bedarf weitere Anwendungen etwa für die Zusammenarbeit oder Produktivität installieren. Zu den unterstützten Apps zählen zum Beispiel AutoCAD 360 zum Anzeigen und Bearbeiten von AutoCAD-Dateien oder Siemens JT2Go zur Darstellung von 3D-Modellen.
Microsoft vertreibt das Surface Hub über ausgewählte Partner. Das sind zum Beispiel IT-Dienstleister wie Cancom oder Systemhäuser wie Bechtle. Ein Schnäppchen ist das digitale Whiteboard allerdings nicht: Für das kleine Surface Hub sind rund 8700 Euro zu veranschlagen, für das große Modell rund 21.500 Euro, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer.

Google Jamboard

Auch der Google-Konzern möchte Meetings optimieren und bietet hierfür ein digitales Whiteboard namens Jamboard an. Auf dem 55-Zoll-Display mit 4K-Auflösung lassen sich Informationen wie auf einem herkömmlichen Whiteboard festhalten. Der Unterschied: Das Whiteboard ist eng mit Googles
Business-App-Paket G Suite verknüpft und soll eine möglichst einfache und reibungslose Zusammenarbeit ermöglichen. So legt das Jamboard Aufzeichnungen automatisch im Cloud-Speicher Google Drive ab, sodass sie jedem Meeting-Teilnehmer zur Verfügung stehen (Bild 2).
Google Jamboard: Eine Art digitaler Wischschwamm löscht Aufzeichnungen wie ein Radiergummi (Bild 2)
Quelle: Foto: Google
Das Jamboard wird an der Wand befestigt oder auf einem optional erhältlichen Ständer mit vier Rollen befestigt. Der Ständer verfügt unterhalb des Displays über eine kleine Ablage. Dort finden die mit dem Jamboard mitgelieferten übergroßen Bedienstifte sowie eine Art Wischschwamm Platz. Die Stifte dienen zum Zeichnen oder zum Schreiben von Text, der sich mit Hilfe einer Handschrifterkennung umwandeln lässt. Mit dem digitalen Schwamm lassen sich Aufzeichnungen auf dem Display löschen.
Externe Besprechungsteilnehmer klinken sich über Googles Videokonferenzlösung Hangouts in ein Meeting ein. Dafür bringt das Jamboard eine integrierte HD-Kamera mit.
Das Jamboard für die Wandmontage kostet rund 5000 Dollar. Der passende Ständer kostet noch einmal rund 1200 Dollar. Nicht zu vergessen ist die jährliche Gebühr für Support, die 600 Dollar beträgt. Das Jamboard ist unter https://gsuite.google.com/products/jamboard erhältlich.

Cisco Spark Board

Ciscos digitales Whiteboard namens Spark Board nutzt die hauseigene Collaboration-Lösung Spark, die Cisco als »das Eine für alles in Sachen Teamarbeit« anpreist. Spark soll die verschiedensten Kommunikationswege wie Video-Chat, Text-Chat, VoIP und das Teilen von Inhalten in einer Anwendung vereinen (Bild 3). Das Whiteboard, das es mit einem 55- und einem 70-Zoll-Display mit 4K-Auflösung gibt, ist zusätzlich mit einer 4K-Kamera und diversen Mikrofonen und Lautsprecher ausgestattet und ermöglicht so auch Videokonferenzen. Aufzeichnungen lassen sich mit dem Cisco Spark Pen oder dem Finger auf das Whiteboard bringen. Das Gerät speichert die Eingaben automatisch in der Spark-Cloud, sodass sie sofort auch anderen Geräten über die Spark-App zur Verfügung stehen. So lässt sich das Whiteboard von mehreren Personen nutzen, unabhängig davon, wo sie sich befinden.
Cisco Spark Board: Der 4K-Bildschirm nutzt die Cisco-eigene Videokonferenzlösung Spark (Bild 3)
Quelle: Foto: Cisco
Aufgrund des Lizenzmodells eignet sich das Cisco Spark Board allerdings nur für größere Unternehmen. Zwar ist das 55-Zoll-Modell verglichen mit dem kleinen Surface Hub mit 5000 Dollar deutlich günstiger (für das 70-Zoll-Modell stehen noch keine Preise fest), hinzu kommen aber die monatlichen Kosten für die Nutzung des Spark-Dienstes in Höhe von rund 200 Dollar.

Ricoh Interactive Whiteboard

Der japanische Hersteller Ricoh verspricht mit seinem neuen kognitiven Whiteboard nicht weniger als die »Revolution der Meeting-Welt«. Dazu unterstützt das digitale Board als erstes Whiteboard IBMs kognitives System Watson.
Das KI-System Watson kann Fragen beantworten, die in natürlicher Sprache gestellt werden. Das semantische System gibt dem Fragenden innerhalb kürzester Zeit Antworten in natürlicher Sprache zurück. IBMs Ziel mit Watson ist die quasinatür­­liche Interaktion zwischen Mensch und Maschine.
Ricohs digitales Whiteboard nutzt das Watson-Modul Natural Language Interface for Things. Damit unterstützt das Whiteboard Besprechungsteilnehmer, indem es auf Sprachbefehle reagiert, Notizen und Anmerkungen aufzeichnet und diese bei Bedarf sogar in andere Sprachen übersetzt.
Dem Hersteller Ricoh zufolge soll das Interactive Whiteboard aber nicht nur zuhören, sondern auch aktiv an Besprechungen teilnehmen können, indem es mit Hilfe von Echtzeitanalysen selbst durch Diskussionen führt und den Teilnehmern dabei hilft, schnellere und fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Der Watson-Entwickler IBM hat mehr als 80 Ricoh Interactive Whiteboards in seiner neuen IoT-Zentrale in München in­stalliert. Dadurch sollen die IBM-Teams in der Lage sein, produktivere Meetings mit Kollegen an anderen Standorten auf der Welt zu führen.
Ob und wann das kognitive Whiteboard regulär im Handel verfügbar sein wird, konnte der Hersteller Ricoh bis zu Redaktionsschluss nicht sagen.

NEC InfinityBoard

Vom japanischen Bildschirmspezialisten NEC kommt das digitale Whiteboard InfinityBoard für Videokonferenzen, Präsentationen und die interaktive Zusammenarbeit (Bild 4).
NEC InfinityBoard: Das Gerät verfügt über eine OPS-Schnittstelle (Open Pluggable Specification) (Bild 4)
Quelle: Foto: NEC
Das Besondere: Das Gerät bringt eine OPS-Schnittstelle (Open Pluggable Specification) mit. Damit lässt sich das Whiteboard modular mit einem beliebigen Slot-in-Rechner ausstatten und somit auch ein Betriebssystem nach Wahl nutzen.
Das InfinityBoard wird mit einem 65-Zoll- oder einem 84-Zoll-Display in UHD-Auflösung angeboten. Eine InGlass-Touch genannte Technik soll eine papierähnliche Nutzung ermöglichen. Die Bedienung erfolgt entweder über den mitgelieferten Stift oder mit den Fingern.
NEC liefert neben einer hochauflösenden Kamera mit 120-Grad-Blickwinkel des Herstellers Huddly auch High-End-Lautsprecher von SEAS mit. Die ebenfalls mitgelieferte Technik MultiPresenter sorgt dafür, dass sich bis zu zwölf mobile Geräte wie Notebooks, Smartphones oder Tablets (Bring Your Own Device, BYOD) direkt mit dem InfinityBoard verbinden und Inhalte direkt streamen. Unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem können damit alle Teilnehmer Dokumente, Bilder, Videos oder Audioaufzeichnungen ergänzen und exportieren sowie nahtlos zwischen den verwendeten Medien wechseln. Eigentlich sollte das InfinityBoard ab Frühjahr im DACH-Raum verfügbar sein. Zu Redaktionsschluss war das aber noch nicht der Fall. Auch zu den Preisen gab es noch keine Angaben.

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