Studie 01.07.2022, 11:00 Uhr

Deutsche haben wenig Scheu vor E-Commerce

Deutsche Verbraucher haben im europäischen Vergleich relativ wenig Berührungsängste mit dem Onlinehandel. Eine Befragung zeigte, dass in anderen Ländern die Lust am stationären Einkauf noch deutlich stärker ausgeprägt ist.
(Quelle: Shutterstock / Ollyy)
Wenn man Verbraucher in der EU befragt, ob sie lieber online oder stationär einkaufen, dann entscheidet sich unionsweit immer noch eine deutliche Mehrheit für den Einkauf in der Filiale: 54 Prozent aller Teilnehmer des European E-Commerce Report 2022 favorisierten einen Einkauf im Laden, sei es Gewohnheit, aus Loyalität oder wegen der Möglichkeit, Produkte vor Ort ausprobieren zu können. Befragt wurden in diesem Fall allerdings die Verbraucher, die ohnehin nicht oft im Netz bestellen, ihre letzte Online-Order lag bereits mehr als drei Monate zurück.
Verglichen damit hängen die Deutschen weit weniger am stationären Einkauf. Nur 38 Prozent derer, die online nicht so oft bestellen, gaben an, bewusst stationär einzukaufen. Dieser Wert markiert die Nummer drei nach Ungarn (21 Prozent) und Irland (31 Prozent).  Vor allem in den Niederlanden (85 Prozent), Spanien (83 Prozent) und Kroatien (82 Prozent) unterstützen Wenig-Besteller lieber stationäre Geschäfte, statt ins Internet zu gehen.
Die Studie, veröffentlicht von den europäischen Dachverbänden E-Commerce Europe und EuroCommerce, nennt auch mögliche Gründe für die vergleichsweise geringe Scheu der Deutschen vor dem Onlinekauf. Denn die beiden Hauptsorgen von Wenigbestellern im Netz - geht das mit der Bezahlung in Ordnung und bekomme ich auch meine Ware - sind bei deutschen Konsumenten vergleichsweise gering ausgeprägt. Nur zwei Prozent aller Befragten gaben an, wegen Zweifel an der Lieferfähigkeit den Onlinehandel zu meiden. Immerhin acht Prozent kaufen aus Sorge um die Sicherheit beim Bezahlen und um ihre Daten lieber stationär ein.
Damit liegt Deutschland über dem EU-Schnitt. Neun Prozent aller Befragten aus der gesamten EU hatten Bedenken wegen der Liefersicherheit, 18 Prozent wegen der Sicherheit beim Bezahlen. Die größten Sorgen machen sich die Konsumenten in Portugal (38 Prozent und 69 Prozent). Konkret bedeutet das, dass zwei von drei portugiesischen Verbrauchern, die eher selten im Internet einkaufen, deshalb lieber ins Geschäft gehen, weil sie Bedenken wegen ihrer sensiblen (Zahlungs-)Daten haben.
Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim E-Commerce-Branchenverband bevh, kommentiert die Studienergebnisse aus deutscher Sicht: »Die Ergebnisse zeigen die hohe Leistungsfähigkeit der Branche in Deutschland, aber auch, wie normal und niedrigschwellig das Bestellen im E-Commerce geworden ist. Im Ergebnis beobachten wir, dass die Deutschen jedes Jahr hochfrequenter bestellen und den E-Commerce zunehmend für die tägliche Versorgung nutzen.«




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